Datum: 
26.06.2015
Kategorie: 

Beantwortet von Mufti Muhammad ibn Adam

 

Frage: Sie haben erwähnt, dass es für Gebiete, die in den extremen Breitengraden liegen, vier Methoden zur Berechnung der Zeiten des Nachtgebets (‘Isha) und des Morgengebets (Fajr) gibt. Wie würde man diese Zeiten während des Fastens im Ramadan anwenden? Es scheint, dass man bei jeder der aufgezählten Methoden, dennoch mindestens 20 Stunden fasten muss, was für einen ganzen Monat Fasten unzumutbar erscheint. Es könnte sehr anstrengend werden, 20 Stunden oder mehr zu fasten.

 

Antwort: Erstens sei erwähnt, dass die Texte des Qur'ans und der Sunnah in Bezug auf das Fasten, eindeutig besagen, dass das Fasten mit der tatsächlichen Morgendämmerung (al-Fajr as-sadiq) beginnt und mit dem Sonnenuntergang (Ghurub) endet. Zudem herrscht darüber Konsens (Ijma‘) unter der gesamten Ummah (Gemeinschaft der Muslime).

Zweitens, wie bereits in einem früheren Beitrag erwähnt, ist eine der Methoden zur Berechnung der relativen Zeit des Nachtgebets (‘Isha) und des Morgengebets (Fajr) die Methode Aqrab al-Ayyam, was bedeutet, dass man die Zeiten anhand des letzten Tages berechnet, an dem die tatsächliche Morgendämmerung noch eintrat. (Für weitere Details siehe den Beitrag auf dieser Website im Abschnitt Gebet.)

Wenn nun zum Beispiel die tatsächliche Morgendämmerung am letzten Tag, der eine tatsächliche Morgendämmerung (al-Fajr as-sadiq) aufweist, um 01:20 Uhr morgens eintritt, dann bleibt dies die Zeit für den Beginn des Fastens über die gesamte Dauer, in der die Sonne nicht vollständig über dem westlichen Horizont untergeht.

Das Fasten kann in der Tat zwanzig Stunden andauern, doch dies ist etwas, woran man sich halten muss. Man bedenke, dass die Länge des Fastens am letzten Tag, an dem die tatsächliche Morgendämmerung noch eintrat, ebenfalls 20 Stunden betrug. Solange die tatsächliche Morgendämmerung tatsächlich eintritt (gemeint ist, dass wir einen tatsächlichen Fajr as-sadiq erleben), müssen wir unser Fasten selbstverständlich zu dieser Zeit beginnen. Somit haben wir während der Tage, an denen wir keine tatsächliche Morgendämmerung (Fajr as-sadiq) erleben, keine Alternative als dieses Urteil zu befolgen, und die Länge der Fastentage ist in beiden Fällen gleich.

Man sollte zudem immer bedenken, dass bestimmte Urteile zwar durchaus schwer praktizierbar sind, die Belohnung bei Allah im Jenseits jedoch immens ist.

Wenn allerdings alte und schwache Menschen nicht in der Lage sind, die langen Fastentage zu ertragen, und befürchten, dadurch schwer zu erkranken, so ist es für sie erlaubt, im Ramadan nicht zu fasten und die versäumten Fastentage nachzuholen (Qadha), wenn die Fastentage nicht mehr so lang sind.

 

Und Allah weiß es am besten.

 

Muhammad ibn Adam

Darul Iftaa

Leicester, UK

 

Originalquelle: http://seekershub.org/ans-blog/2009/08/13/fasting-in-extreme-latitudes/

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